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Bevor ihr diese Seite lest, müsst ihr eins wissen: Meine ersten Erfahrungen beziehen sich auf die Zeit, als Creatures 3 gerade erschienen war, also Ende 1999 und Anfang 2000. Zur damaligen Zeit hatte ich einen Computer, der zwar die Mindestanforderungen erfüllte, dessen Innenleben aber ziemlich chaotisch aussah. Heute kann ich C3 meistens ohne Frust spielen und bin froh, dass diese Erfahrungen der Vergangenheit angehören. Trotzdem lasse ich diese Seite wie sie ist, denn sie dokumentiert für mich ein Stück Creatures-Geschichte.

Das erste Mal ...

Am 3. 12. 1999 entdeckte ich, mehr oder weniger zufällig, Creatures 3 im Laden, es lag in einer großen Schachtel irgendwo zwischen Computerzubehör, und stand noch nicht einmal im Regal.

Erst vier Tage später kam ich dazu, das Spiel zu installieren, und voller Erwartung startete ich C3. Es dauerte Minuten, bis die Welt endlich geladen war. Die Hand bewegte sich nur ruckartig, und natürlich lief auch das ganze Spiel in Zeitlupe, obwohl mein System den Anforderungen entspricht. Möglicherweise liegt es an meiner neuen 10-GB-Festplatte, die besonders schnell sein soll, aber sämtliche Programme nur bremst, und mit der ich auch sonst jede Menge Ärger habe.

Die Benutzeroberfläche hat sich grundlegend geändert. Links oben gibt es ein Display, das den aktuellen Norn zeigt, und die Agentenhilfe, mit der man Informationen über Gegenstände und Wesen abfragen kann. Auf der rechten Seite findet man drei Menüs, die Norn-Auswahl, Optionen und das Inventar (siehe weiter unten). Ich vermisse die Geburtsurkunde, den Züchterbaukasten und alle anderen Symbole und Schaltflächen, die zur Übersichtlichkeit bei Creatures 1 und 2 beigetragen haben. Außerdem gibt es keine Möglichkeit, die Fotos zu exportieren.

Der erste Eindruck vom Norn-Terrarium (mehr bekommt man erst einmal nicht zu sehen) war positiv: eine grafisch sehr schön gestaltete Umgebung, eine vielseitige Tier- und Pflanzenwelt, aber eine Menge neuer Geräte und Schalter, mit denen man sich erst vertraut machen muss. Die Norns sehen anders aus, aber mir persönlich gefallen die C2 Norns besser. Die Sprache der Norns hat sich nicht gerade weiterentwickelt, auch wenn die "Sätze" - oder sagen wir lieber "Wortreihen" - länger geworden sind. "Ich ganz schrecklich braucht stärke" oder "weiß nicht weggehen norn ich" kriegt man da zu hören. Auch mit der Großschreibung der Nomen steht das Programm offenbar auf Kriegsfuß. Eine praktische Neuerung: Man kann die Wesen an die Hand nehmen und führen. Auch nicht schlecht: Das Inventar - damit kann man verschiedene Gegenstände, z. B. Nahrungsmittel, einsammeln, und zu den Norns befördern. Zum Glück sind die Stimmen und Laute der Norns gleich geblieben, auch der unverwechselbare "Kiss-Pop" erfüllt noch immer seinen Zweck.

Als ich dann den Norns einen Namen geben wollte, stürzte das Spiel ab, und ich durfte wieder von vorn anfangen. Aber auch beim zweiten Versuch hatte ich nicht mehr Glück, wieder nach etwa 15 Minuten der Absturz, und alles war verloren, denn gespeichert wird anscheinend nur beim Beenden. Alles in allem - die erste Begegnung mit Creatures 3 war mehr Frust als Lust.

... und so ging's weiter

Zuerst einmal ging ich auf Entdeckungsreise und erkundete das Raumschiff. Es ist zwar größer als das Albia von C2, aber deswegen nicht unübersichtlicher, da man immer nur über den Bereich scrollen kann, in dem man sich gerade befindet. Es gibt vier Terrarien mit Pflanzen und Tieren, außerdem die Brücke und das Kraftwerk. Die einzelnen Bereiche lassen sich durch Türen erreichen, klickt man auf die Tür, öffnet sich der nächste Teil des Raumschiffs. Im Norn-Terrarium unten, rechts vom Recycler, gelangt man durch die runde Tür auf die Brücke, von der man alle anderen Teile des Schiffs erreichen kann.

Die kleinen blinkenden Kästchen mit dem Knopf an der rechten Seite fallen gleich auf, es sind die Powerups, die von den Norns aktiviert werden müssen, damit alle Maschinen funktionieren und genügend Energie bekommen. Die Norns müssen dorthin geführt werden und reagieren (hoffentlich!) auf die Aufforderung "drück Werkzeug". Es dürften insgesamt etwa 12 - 15 solche Powerups sein, eins davon ermöglicht das Hochheben der Norns mit der Hand, ein anderes ist für das Anwählen von Grendels und Ettins zuständig.

Da ich über die Gewohnheiten der C3 Grendels ziemlich Schreckliches gelesen hatte, warf ich immer wieder einen Blick auf meine Norns, die im Gegensatz zu den C2 Norns fröhlich die Welt erkundeten und sich plötzlich im berüchtigten Dschungel-Terrarium befanden. Zuerst war kein Grendel zu erblicken, doch es dauerte nicht lange, da tauchte einer auf. Er prügelte auch gleich los, und ich versuchte, die Norns ins Norn-Terrarium zurückzuführen. Ich nahm das Norn-Weibchen an der Hand, und das Männchen trottete brav hinterher. Geschafft - der Grendel war zurückgeblieben!

Meine beiden Norns - sie stammen aus der Urfamilie und waren schon erwachsen - bekamen Nachwuchs, aber das Familienglück wurde bald wieder gestört. Die Norns scheinen die Grendels magisch anzuziehen, denn dieser suchte nun das Norn-Terrarium heim. Wie eine Klette hing er an den Norns und fuhr ständig mit ihnen Aufzug. Er schlug heftig zu, aber die Norns verteidigten sich und hauten zurück. Das allerbeste kam noch: Das Norn-Männchen plapperte "Abax mag beh", wobei mit "beh" der Grendel gemeint war! Das Vokabular ist umfangreicher geworden, und die Norns können jetzt auch Gefühle ausdrücken. Da inzwischen das entspechende Powerup aktiviert war, konnte ich den Grendel hochheben und somit loswerden. Bei dieser Gelegenheit probierte ich den Teich mit den Piranhas aus - es stimmt, die Biester sind ausgesprochen gefährlich...! Das neue Grendelei legte ich gleich ins Wasser, es blieb unversehrt liegen, aber es wuchs auch nicht. Trotzdem ist Vorsicht geboten, die Grendelmutter produziert fleißig neue Eier. - Übrigens, meine Norns sind nicht krank geworden und scheinen auch unverletzt geblieben zu sein.

Zwei Ettins sind mir auch schon über den Weg gelaufen, beide sind erstaunlicherweise weiblich, obwohl das Handbuch mir weismachen wollte, alle ursprünglichen Ettins und Grendels seien männlich! Was über die Ettins so erzählt wird, stimmt, sie klauen wirklich wie die Raben! Beim Eingang zum Ettin-Terrarium haben sich schon einige Geräte angesammelt.

- noch ein paar Erfahrungen mehr

Inzwischen habe ich Creatures 3 zwar schon ein paar Mal neu installiert - es kamen immer wieder Fehlermeldungen oder meine Welt streikte - aber jetzt läuft es doch ab und zu recht stabil (ich fasse es nicht!).

Mein Norn-Männchen hat schon drei Kinder gezeugt, die putzmunter sind und dank des Stein des Wissens schnell das Sprechen gelernt haben. Mit den Grendels habe ich erst einmal aufgeräumt, denn wenn zwei Grendeleier im Wasser liegen, wird kein neues produziert. Die Ettins haben nach wie vor Spaß daran, Maschinen zu stehlen und durch die Gegend zu tragen. Leider leben sie nicht lange, sie werden bei mir nicht einmal eine Stunde alt.

Es ist sehr umständlich, alle auf dem Schiff vorhandenen Maschinen zu suchen und mit der Agentenhilfe deren Funktion ausfindig zu machen, denn erst muss man die Agentenhilfe aktivieren, dann das Gerät mit der rechten Maustaste anklicken und bis zu sechs Seiten lesen, um letztendlich festzustellen, dass man diese Maschine wahrscheinlich nie brauchen wird. Eine Blaupause habe ich auch ausprobiert, eigentlich nur, um zu sehen, ob es mir gelingt, aber ob ich in Zukunft viele davon einsetzen werde, ist eher fraglich. Das Verbinden von Agenten ist auch kein Kunststück, man kann seine Fantasie spielen lassen und mehr oder weniger sinnvolle Geräte konstruieren. Aber das ist eine Spielerei und meiner Meinung nach zeitraubend, wenn man sich auf die Nornzüchtung konzentrieren will.

Ärgerlich macht mich auch, dass ich die Norns erst auf die Brücke zerren muss, um den Gesundheitszustand abzufragen, ebenso wie der Umweg über die Agentenhilfe, wenn ich ein paar Dinge über einen Norn erfahren will. Ausgesprochen lästig finde ich, dass ich ständig irgendetwas zum Recyceln suchen muss, um genügend Energie für die Maschinen zu haben. Ja, und noch eins muss ich loswerden: bei Creatures 1 und 2 konnte man so schön gleichzeitig mit Hand und Pfeil arbeiten, das ist jetzt unmöglich - man kann nicht mehr ein Wesen hochhalten (Shift + rechte Maustaste) und gleichzeitig mit der Hand auf eine Tür oder einen anderen Bereich der Welt klicken - eindeutig ein Rückschritt!

Fazit

Cyberlife hat mit Creatures 3 eine total veränderte Version auf den Markt gebracht, die einerseits mit einer grafisch gut gestalteten Welt beeindruckt, aber andererseits viele bewährte Hilfsmittel vermissen lässt und es dem Spieler erschwert, das eigentliche Ziel des Spiels zu erkennen und zu erreichen, weil er sich mit umständlichen, zum Teil überflüssigen Maschinen beschäftigen muss.

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